Die Planung
2014, im Oktober, war der Entscheid für eine 8-tägige Seekajaktour-Paddeltour gefallen durch die ostschwedischen Schären von Nysnäsham rund 170 km bis nach Norrköpping. „Juhui, ich freue mich wie ein kleines Kind …..“ schrieb unser Präsi Ruedi im Mail. Mitkommen wollen: Ruedi, Ecki, Regula, Valentin, Remy und meine Wenigkeit. Dazu kommt noch ein Führer von Club Aktiv, der uns sicher durch den Wirrwarr der Schären und immer zu den abendlichen Zelt- und Campingplätzen führen würde.
Die harten Vorbereitungen
Im Dezember 2014 spendierte Ruedi zuhause ein Nachtessen für alle, wo wir die Packlisten besprachen. Jeder hatte noch die bessere Idee, als es ums „Gepäck reduzieren“ ging. Ich selber hatte am Ende drei Listen: Meine eigene, Ruedis und die vom Club Aktiv. Ich mixte meine definitive Liste daraus. Und schon ging es ans Training. Man traf sich bei jedem Wetter – auch bei Schneefall – auf dem Stausee in Döttingen, auf der Limmat bei Neuenhof, auf der Aare hinter Schinznach Bad und bei etwas besserem Frühlingswetter auf dem Hallwilersee oder man fuhr einfach vom Clubhaus die Aare runter bis zur Brücke zum PSI in Würenlingen und paddelte wieder flussaufwärts. Das war hart, aber stärkte unsere Muckis.
Der Abreisetermin rückt näher
Ecki hat für uns den Flug gebucht bezahlt und Ruedi buchte den Rest. Ja, selbstverständlich statteten wir Ecki und Ruedi das Geld zurück! Leider hatte Regula kurz vor der Abreise eine Sehnenscheiden-Entzündung an der Schulter und so musste sie leider zurück in der Schweiz bleiben um die Entzündung auszuheilen. Die restlichen fünf trafen sich am 6.6. am Flughafen, wo vor dem Abflug doch noch jeder ausser Remy eine Flasche Wein kaufte: Denn Alkohol kostet in Schweden ein Vermögen.

Stockholm: The King is going out
Am Flughafen Arlanda kauften wir aus der Gemeinschaftskasse – die galt ab jetzt – Tickets für den Bus nach Stockholm. Vom Busbahnhof führt die Linie 65 zu „Af Chapmann“, unserer Jugendherberge. Leider stoppte unser Bus schon nach kurzer Fahrt und ich fragte die Fahrerin warum und erhielt die Antwort „The King is going out“. Aha, der König hält Ausfahrt mit Kutsche und Geleit und da sperrt man einfach die Buslinie wir müssen mit all unserem Gepäck laufen! Aus lauter Empörung vergass ein Gruppenmitglied (keine Namen) seinen Rucksack im Bus! Der Bus kehrte bald zurück und der mutige Vergessliche stellte sich dem Bus in den Weg und holte seinen Rucksack raus! Der weitere Aufenthalt in Stockholm verlief ungestört vom König Carl Gustav. (Zum Bild vergrössern Doppelklick aufs Bild)

Wir verpassen unseren Führer
Am 9.6. ging es per Zug nach Nynäshamn. Allgemeine Unsicherheit Zug: Wo genau steigen wir aus? Nachträglich erkannten wir, dass wir am Nickstabadets Camping vorbei fuhren und was wiederum einen 3-Kilometer-Marsch retour zum Campingplatz zur Folge hatte. Unser Führer Norbert Schuster wiederum wartete im Ort mit Bus auf uns – auch vergebens! Wir fanden uns doch noch! Nach dem Zelt aufstellen wurde eine Testfahrt mit den Seekajak unternommen, wo Ecki gleich eine Rolle mit dem Seekajak hinlegte – Bravo. Am Abend wurden die Kochutensilien bereit gestellt – aber dann verschwanden alle. Der Schreiber machte sich halt selber ans Grill anzünden – und allmählich tauchten die Kollegen auf. Fleisch und Lachs ab Grill schmeckten gut! Aber das blieb die einzige Grillparty der Tour.

Wir schaffen den 1. Tag
Am 10. Juni war erst um 13:05 Start der Tour, erst bei trübem, dann bei sonnigem Wetter und wir schafften doch noch 21 Kilometer. Zweimal passierte unsere Gruppe eine Kanaldurchfahrt und einmal ging es sogar unter einem Tunnel unter der Strasse durch. Abends das übliche Vorgehen: Anlanden, Zelte aufstellen, kochen, essen und 11:00 schlafen. Der Schlafplatz war wunderschön mit Strand, WC, Tisch.
Trosa 4 Stunden später erreicht
Am 11. Juni stand um 03:00 Uhr die Sonne auf und um 07:00 wir. Um 10:00 Uhr fuhr man los bei sonnigem Wetter und schaffte 21 Kilometer. Müde, verkühlt und um 19:00 Uhr statt wie geplant um 15:00 erreichten wir Trosa, wo wir in einem Vandrarhem zwei Zimmer buchten. Nach dem feinen Nachtessen bei einem Griechen schliefen alle wie griechische Götter.

Wunderinsel mit hübschen, blonden Mädchen
12. Juni: Trosa hatte den Vorteil, dass man wieder Einkäufe und Einträge auf dem Facebook machen konnte. Logisch, dass wir erst um 13:00 Uhr starteten und schon nach erst 12 km um 17:00 auf einer einsamen Insel (glaubten wir) campierten. Der Campingplatz war wieder ein Traum! – ausgerüstet mit erstklassigem Sandstrand, Tisch, Bänke und einem (stinkendem) WC. Und bald tauchte noch ein Vierradtöff auf mit Fahrer und einem blonden schwedischen Mädchen hintendrauf. Sie wollten den Strand putzen, verzichteten aber darauf, weil wir den Stand schon in Beschlag genommen hatten. Am Abend kochten und assen wir in der schönsten Küche der Welt mit dem herrlichsten Sonnenuntergang auf der ganzen Welt.

Zwei Blondinen verfolgen Ecki
13.6. Am Morgen, nach dem Frühstück, holte ich noch Wasser beim Haus, wo das Mädchen wohnte. Im Garten, beim Frühstück, sassen aber zwei hübsche Schwedinnen. „Hey, Hey I would like some water“ brachte ich mein Anliegen vor, das trat schon der Vater der beiden Hübschen aus dem Haus und führte mich in die Küche wo ich Wasser tankte. Die Familie, hörte ich, wohnt nicht auf der Insel sondern verbringt die Freizeit auf dem ehemaligen Bauernhof. Ecki reute es gewaltig, nicht mit mir zum Wasserholen mitgekommen zu sein! Wir paddelten los um 10:00 Uhr (ohne Blondinen) und durchquerten eine schmale, 8 km lange Passage zwischen zwei Inseln. Unser Ziel Oxelösund erreichten wir nicht wegen starkem Seitenwind und hohen Wellen. Campen auf einer einsamen Insel bei aufziehenden Regen und schon bald nach dem Risotto essen verzogen wir uns in unsere Zelte ohne Blondinen.

Mit Taxi zum Einkauf und Essen
14.6. Bei trübem, aber bald aufklarendem Wetter starteten wir durch eine wunderschöne Inselwelt nach Oxelösund, wo wir Abend müde ankamen. Bis wir eingerichtet waren, war es halb neun. Ruedi glaubte nicht mehr dass wir das Kochen schaffen und bestellte ein Taxi das uns in den Ort brachte. Dort wurde erst eingekauft und dann im Restaurant gegessen. Am Ende waren alle zufrieden um krochen in die Schlafsäcke.
Älplermagronen in Schweden
15.6. Bei schönem Wetter 20 km gepaddelt auf einen Campingplatz in Nordanskog gepaddelt. Der Rhythmus stimmt jetzt und am Abend kochten wir auf Älplermagronen und die assen wir nicht am Strand, sondern im Servicehaus. Grund: die ersten Mücken kommen aus dem Gebüsch. Ja, und hie und da duschen tut auch gut.
Tourende in Norrkrog
16.6. Bei schönem Wetter und ruhigem Meer 20 km nach Norrkrog gepaddelt. Wir kamen an, kochten unser restliches Essen und beschliessen den Abend bei einer Rückblende der schönen Tour.

Abschied von Schweden
Nachmittags brachte er uns mit dem Bus bis nach Norrköpping, wo wir uns von Norbert verabschiedetem und in einem Wandrahem für wenig Geld komfortabel übernachteten. Am nächsten Tag fuhren wir mit Zug und Bus nach Julita. Die Busfahrt durch die schwedische Pampa war eine Fahrt durch Wälder die unterbrochen wurden durch Wiesen, Felder und kleine Orte mit roten Häuschen.
Julita ist ein Freilichtmuseum ähnlich wie der Ballenberg. Wir übernachteten komfortabel aber preiswert im South Wing des Herrenhauses. Das Nachtessen genossen wir mit der letzten Flasche Wein an einem Steg am See und später schauten wir noch zu, wie der Maienbaum für den 21. Juni (Mittsommerfest) geflochten wurde. Am letzten Tag nahmen wir wiederum Bus und Zug nach Stockholm und flogen am 19.6. zurück nach Zürich. Ja, und nächstes Jahr findet unser Tour in Kroatien statt!

Text: Hans Rüssli
Fotos: Ruedi Brandenberg